Feuerwehr und Rettungsdienst üben Zugunglück in Adendorf

Übungsszenario ZugunglückEine Alarmübung der besonderen Art hatte sich Ronald Steinberg zum Ende seiner 12-jährigen Dienstzeit als Adendorfer Gemeindebrandmeister ausgedacht: als am letzten Sonntag um 00:38 Uhr die Meldeempfänger der Feuerwehren aus Adendorf, Erbstorf, Bardowick, Lüneburg, Scharnebeck, Boltersen, Rullstorf und Brietlingen ausgelöst wurden, erwartete die Feuerwehrkräfte ein groß angelegtes Zugunglück mit fast 70 Verletzten auf der Lübecker Bahnstrecke.

Patientenübergabe am SammelplatzVerstärkt wurden die Feuerwehren durch die Schnell-Einsatz-Gruppen sowie die Katastrophenschutzeinheiten von ASB und DRK, welche die Versorgung und den Transport der Verletzten übernehmen sollten. Weiterhin kamen zahlreiche Kräfte von Polizei, Bundespolizei, Bahn, Gemeindeverwaltung und auch die Presse zum Einsatz, alles in allem rund 300 Beteiligte.

 

 

Schon ab 20 Uhr waren die freiwilligen Opfer, Feuerwehrleute aus dem Landkreis Uelzen und der Samtgemeinde Ilmenau, in der Eissporthalle Adendorf eingetroffen, wo sie von der Gruppe „Realistische Unfalldarstellung“ des DRK Hamburg City mit viel Liebe zum Detail für die Übung präpariert wurden. Vom Schock über Prellungen und Schnittverletzungen bis hin zu schweren Gesichts- und sogar Pfählungsverletzung war alles dabei, vermeintlich unverletzte Zuginsassen waren auf einmal hoch schwanger oder sollten stark verwirrt oder auch aggressiv an der Einsatzstelle herumlaufen.

Schminken der Verletzten durch das RUD-TeamEinweisung der Verletzten in die Übungslage

Gegen Mitternacht stand dann am ehemaligen Bahnhof ein Regionalzug der Deutschen Bahn bereit, der die Verletzten aufnahm und danach unterhalb der alten Eisenbahnbrücke am Scharnebecker Weg als vermeintlichem Unglücksort postiert wurde. An dieser Stelle verläuft die Bahnlinie in einem knapp 10 m tiefen Kessel mit steilen Böschungen an beiden Seiten, zudem sind die umliegenden Wege unbefestigt, unbeleuchtet und schmal.

 

Obwohl die Führungskräfte der Feuerwehren aus Adendorf und Erbstorf in die Lage eingewiesen waren, kostete es dennoch einige Mühe, die an der Einsatzstelle eintreffenden Einheiten zu sortieren und in die Einsatzabschnitte zu schicken. Das Hauptaugenmerk lag dort auf der Rettung der Verletzten aus dem Zug und dessen Betreuung. Patientenrettung aus dem ZugDer nachfolgende Transport der Opfer zu den Behandlungsplätzen des Rettungsdienstes musste über die steilen Böschungen geschehen, was aber nach einigen Versuchen schnell und sicher von statten ging.

 

Von Süden her kam die Feuerwehr Lüneburg mit einer unmotorisierten Rettungslore zum Einsatz, mit der bis zu sechs Patienten gleichzeitig abtransportiert werden konnten. Die Lore musste allerdings mit Muskelkraft zum 400 m entfernten ehemaligen Bahnhof zurück geschoben werden, folglich war diese Lösung zwar schonender, jedoch sehr zeitaufwändig. Der Versuch, die Verletzten von der Brücke der Kreisstraße aus mit Hilfe des Teleskopmastes der Feuerwehr Lüneburg hoch zu holen, scheiterte an den physikalischen Gesetzen: die maximal möglich Ausladung des Fahrzeuges reichte nicht, um den Arbeitskorb bis runter auf die Bahnstrecke abzusenken.

Schienensystem aus Steckleitern zum Hochziehen von Schleifkorbtragen

 

Unterstützt wurde die Arbeit am Zug durch den Notfallmanager der Deutschen Bahn sowie die Bundespolizei. Die Kräfte der Polizei aus Lüneburg sperrten die Einsatzstelle zudem weiträumig ab, um so ein gefahrloses Arbeiten der Hilfskräfte auch auf den Straßen sicherzustellen.Lagebesprechung der Einsatzleitung

 

Die Sanitätseinheiten von ASB und DRK hatten die Aufgabe, zwei Behandlungsplätze rechts und links der Bahnstrecke einzurichten und die Patienten von dort aus zum „Krankenhaus“ in der Eissporthalle abzutransportieren. Weiterhin wurden durch die Versorgungseinheiten des ASB heiße Getränke und Suppe für alle Beteiligten zubereitet.

 

Patientenerfassung am Behandlungsplatz Etwa 90 Minuten nach Übungsbeginn waren alle Patienten aus dem Zug befreit, eine weitere Stunde später wurde das letzte Opfer in die Obhut der Sanitätskräfte übergeben und das Übungsziel war damit erreicht. Übungsende war allerdings erst weit nach fünf Uhr morgens, nachdem alle Einheiten ihr Material abgebaut hatten und in ihre Wachen eingerückt waren.

Pressevertreter des Feuerwehr-Journals an der Einsatzstelle

Auf der Übungsnachbesprechung am letzten Dienstag lobten alle Beteiligten die realistische Darstellung der Einsatzlage und das große Engagement der Einsatzkräfte trotz der für eine Alarmübung ungewöhnlichen Uhrzeit. „Wie erwartet konnten wir aufzeigen, welche großen Probleme wir bei einem Zugunfall an dieser ungünstigen Stelle der Bahnstrecke haben würden. In einigen Bereichen gab es Schwierigkeiten, zum Beispiel beim Freihalten der Zufahrtswege. Dieses werden wir aufnehmen und für die Zukunft abstellen. Trotzdem haben alle Kräfte sehr gut miteinander gearbeitet, damit haben wir unser Ziel erreicht“, betonte Übungsleiter Ronald Steinberg. Bürgermeister Thomas Maack, selbst Begleiter der Übung ergänzte: „In meinem vorherigen Job als Notfallmanager und Verantwortlicher für die Konzernsicherheit bei der Deutschen Bahn habe ich viele Übungen miterleben dürfen. Aus dieser Erfahrung heraus kann ich sagen, dass die Übung hier von der Einsatzleitung bis zum einzelnen Helfer hervorragend ablief. Darauf können Sie alle stolz sein.“        

 

Mirko Dannenfeld

Pressesprecher der Einsatzleitung

 

 

 

 

Bildunterschriften:

 

DSC_4823        Patientenrettung aus dem Zug (Foto: Sven Lehmann)

DSC_4832        Lagebesprechung der Einsatzleitung (Sven Lehmann)

IMG_2582k       Schminken der Verletzten durch das RUD-Team (Mirko Dannenfeld)

IMG_2595k       Einweisung der Verletzten in die Übungslage (Mirko Dannenfeld)

IMG_2618k       Patientenerfassung am Behandlungsplatz (Mirko Dannenfeld)

IMG_2622k       Patientenübergabe am Sammelplatz (Mirko Dannenfeld)

IMG_2630k       Schienensystem aus Steckleitern zum Hochziehen von Schleifkorbtragen

(Mirko Dannenfeld)

IMG_2653k       Pressevertreter des Feuerwehr-Journals an der Einsatzstelle (Mirko Dannenfeld)